• Freiwillige:r Bistum Hildesheim

Über mein neues Projekt und Weihnachten in Bolivien

Im letzten Rundbrief (Blogeintrag „Streik, Vandalismus, Verletzte, Tote...“) gab es ja noch ziemlich viele offene Fragen, vor allem bezüglich des Zivilstreiks und meines Projektwechsels, von denen die meisten in den folgenden Wochen geklärt wurden.

Tatsächlich gab es Anfang November zumindest wieder Busse, die früh morgens aus der Stadt in andere Orte gefahren sind und so konnte ich am 6.11. endlich nach Cotoca fahren, um hier die restliche Zeit meines Freiwilligendienstes zu leben und zu arbeiten.

Mein Projekt ist nun die Schule „Bárbara Micarelli del Niño Jesús“. Ich wohne hier auf dem Schulgelände zusammen mit den drei Ordensschwestern, die auch die Schule führen. Leider fand wegen des Zivilstreiks in der ersten Woche, in der ich in Cotoca war, kein Unterreicht statt.

Am 10.11. hat Evo Morales sein Amt niedergelegt, am 12.11. wurde dann bekanntgegeben, das Jeanine Añez vorrübergehende Präsidentin bis zu den Neuwahlen, die am 3. Mai stattfinden werden, ist. Damit wurde dann auch der Zivilstreik beendet und am 13.11. hatte ich dann meinen ersten Arbeitstag in der Schule in Cotoca.


Mein Projekt in Cotoca - die Schule "Bárbara Micarelli del Niño Jesús"


In der Schule habe ich bisher immer in der Vorschulklasse gearbeitet. In der Klasse sind 36 fünfjährige Kinder und ich habe die Lehrerin bei anfallenden Aufgaben unterstützt. Das war meistens Aufgaben in den Heften der Kinder vorschreiben oder Basteln. In der Pause führe ich Aufsicht und nach dem Unterricht bleibe ich am Schultor stehen und passe auf, dass die jüngeren Schüler*innen nicht alleine nach Hause gehen, sondern angeholt werden. Ansonsten stehen nachmittags meistens noch kleinere Aufgaben an, wie zum Beispiel Abwaschen oder Brotbacken, bei denen ich die Schwestern unterstütze. Ab nach den Sommerferien (,die hier im Dezember und Januar sind) gehen die Schüler aus meiner Klasse in die erste Klasse und ich werde wahrscheinlich wieder in der Vorschulklasse, aber mit anderen Kindern oder in einer anderen Klasse arbeiten.



Ich wurde netterweise an meinem ersten Tag in Cotoca, an dem ich auch den Gottesdienst besucht habe, von der Gruppe, die den Gottesdienst musikalisch begleitet hat, angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, dort mitzusingen. Wir singen immer mittwochs im Gottesdienst und einmal im Monat sonntags und proben jeweils am Tag davor. Das macht super viel Spaß und ich bin wirklich dankbar, dass mich die Gruppe so nett aufgenommen hat und ich damit in das Gemeindeleben integriert wurde.

Es gibt auch noch ein Orchester, in dem die ehemaligen Freiwilligen immer mitgespielt oder -gesungen haben. Leider waren die Probenzeiten immer genau dann, wenn auch der Chor probt bzw. im Gottesdienst singt, weswegen ich bisher nicht regelmäßig dort war. Das wird sich jetzt nach den Sommerferien aber ändern und ich kann auch beim Orchester dabei sein. Ich habe leider keine Posaune, auf der ich spielen könnte, aber es gibt auch einen Chor des Orchesters, in dem ich dann mitsinge.

Außerdem will ein Chormitglied nach den Sommerferien anfangen, Gitarrenunterricht für die anderen Mitglieder des Chores und Schüler der Schule, an der er arbeitet, zu geben und so habe ich endlich die Möglichkeit, Gitarre zu lernen, was ich mir für das Jahr vorgenommen hatte.

Weil das Sportmachen bei mir in den letzten Monaten zu kurz gekommen ist und es mir wirklich fehlt, mich zu bewegen und auszupowern, habe ich mit einer Freundin aus Cotoca ein Zumba-Studio angeschaut, das wir jetzt möglichst regelmäßig besuchen möchten.

Nach den Ferien werde ich dann wohl freizeittechnisch ziemlich verplant sein, was ich sehr schön finde.

Am 30. November war die Entlassung der Vorschüler*innen, also der Kinder aus meiner Klasse. Meine Kollegin und ich hatten dementsprechend in den Wochen davor sehr viel vorzubereiten und der Tag der Entlassungsfeier war wirklich stressig. Wir haben die gesamte Aula dekoriert, die Zeugnisse der Kinder gebastelt, ein Lied mit den Kindern einstudiert etc. Es war aber eine total schöne Erfahrung und für die Kinder war es ein sehr besonderer Tag. Es hat mich sehr an meine tatsächliche Entlassung der zwölften Klasse erinnert. Alle waren super schick angezogen, die Kinder wurden einzeln nach vorne gerufen und dabei sogar von einem ihrer Elternteile zur Bühne begleitet, was schon etwas an eine Hochzeit erinnert hat.


Am 13. Dezember war dann die Entlassung der Abschlussklasse (also der zwölften Klasse). Auch an diesem Tag musste viel dekoriert und vorbereitet werden und es war eine sehr schöne Veranstaltung, vom Prinzip genau so wie die Entlassung der Vorschüler*innen, und am Ende hat sogar eine Band Musik gespielt.

Nach der Entlassung haben dann für alle die Ferien angefangen.


Wir hatten dann noch eine Weihnachtsfeier mit dem Kollegium, wo zuerst ein Video aufgenommen wurde als Weihnachtsgruß für die Partnergemeinde in Garbsen. Wir haben „Noche De Paz“, also „Stille Nacht“, gesungen und ich hatte dann mit den deutschen Strophen meine Solo-Einlage. Danach wurde noch gemeinsam gegrillt, was sehr nett war.



Weihnachten, Silvester, Reisen

Gruppe von Freiwilligen in Bolivien, die zusammen während der Weihnachtszeit an einem Tisch sitzen.

Mit den Freiwilligen, die gerade in Santa Cruz waren, haben wir vor Weihnachten auch eine Art Weihnachtsfeier veranstaltet. Wir haben Pizza gebacken und Weihnachtslieder gehört - es muss einfach mindestens einmal im Jahr sein, „Last Christmas“ aus voller Brust mitzusingen.

Ich bin für Weihnachten zu meiner Gastfamilie in Santa Cruz gefahren. Dort habe ich ein sehr schönes und ruhiges Weihnachtsfest verbringen dürfen. Wir sind am 24. abends in den Gottesdienst gegangen, dort gab es auch ein Krippenspiel, wobei das Jesuskind sogar ein echtes, 15-Tage-altes Baby war. Danach haben wir bei uns zuhause ungefähr zehn Personen der Familie zum Abendessen eingeladen und um zwölf Uhr wurde angestoßen auf die Geburt von Jesus Christus, die Liebe und Familie. Da kam bei mir eher so das Silvester-Gefühl auf, vor allem, weil man überall Feuerwerk gesehen und gehört hat. Zu späterer Stunde wurde dann noch Karaoke gesungen und insgesamt war es ein netter Abend.

Zwei Personen halten Becher mit Kokusnussgetränk darin. Im Hintergrund ist die weihnachtlich geschmückte Plaza von Cotoca, einem Ort in Bolivien, zu sehen.

Am ersten Weihnachtstag sind wir, meine Gasteltern und -geschwister und ich, ins Zentrum gefahren, haben einen Kaffee getrunken und sind ein bisschen spazieren gegangen, das war auch sehr schön und ich hatte insgesamt ein sehr entspanntes Weihnachtsfest.


Für Silvester bin ich mit einigen der anderen Freiwilligen der Hermandad nach Sucre gefahren und wir haben dort zusammen in der Wohnung einer Freiwilligen gefeiert. Es war sehr schön, mal alle wiederzusehen. Viele hatte ich das letzte Mal im August in La Paz gesehen, als wir angekommen sind und unser erstes Seminar zusammen hatten.

In Sucre hatten wir ein bisschen Zeit, uns die Stadt anzusehen und an Silvester selbst haben wir veganes Curry gekocht, weil alle das Bedürfnis hatten, einfach mal nur Gemüse zu essen - das kommt hier nicht so oft vor.

Zu Mitternacht sind wir dann zu einem Aussichtspunkt der Stadt gegangen und haben das Feuerwerk über der Stadt genossen.


Dann sind wir, insgesamt zehn Freiwillige der Hermandad, nach Uyuni gefahren. Dort haben wir eine dreitägige Tour durch die Salzwüste, Lagunen, in denen Flamingos bzw. Lamas leben, Gebirgslandschaften und Sandwüsten gemacht. Außerdem haben wir in einem Hotel übernachtet, das an heißen Quellen lag und so konnten wir abends unter Sternenhimmel darin baden. Insgesamt war diese Tour eine unglaubliche Erfahrung, ich habe vorher noch nie so atemberaubende Natur gesehen. Was mich vor allem begeistert hat, ist die unendlich-scheinende Weite dieser Landschaften.


Von Uyuni aus sind wir dann nach Cochabamba gefahren, wo wir unser Zwischenseminar hatten. Das war eine total schöne Woche, weil man sich wirklich intensiv mit allen Freiwilligen austauschen konnte, über Erfahrungen und Probleme. Man konnte außerdem sehr viel Input mitnehmen und die Woche hat mir persönlich sehr geholfen, meine Gefühle und Gedanken zu ordnen und gewisse Dinge zu reflektieren, sodass ich am Ende mit einem super entspannten und positiven Gefühl nach Hause fahren konnte.


Die Ferien sind für die Schüler*innen zwar noch nicht vorbei, aber es gibt schon einige Dinge in der Schule in Cotoca vorzubereiten. Zum Beispiel müssen die Anmeldungen für das neue Schuljahr bearbeitet werden oder Schulbücher verkauft werden. Meine Aufgabe ist im Moment, die Schuluniformen zu verkaufen, bis dann am 03.02. wieder Unterricht stattfindet.


Das wär’s dann schon wieder mit dem Einblick in meine letzten Monate. Mir geht es richtig gut, ich freue mich auf die zweite Hälfte des Freiwilligendienstes und bin gespannt, was noch alles passieren wird.

Als nächstes kommt dann mein Geburtstag, Karneval und der Besuch von Papa, Laura und Erik auf mich zu, worauf ich mich schon freue. Aber davon hört ihr dann im nächsten Rundbrief.


~Sophie Bittner

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