Wirtschaft

Knapp 30% der bolivianischen Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, jedoch sind lediglich im Tiefland größere Betriebe und Plantagen vorzufinden. Die Kleinbäuer:innen auf dem Altiplano führen aufgrund der klimatischen Bedingungen Subsistenzwirtschaft, kleine Erträge werden dennoch auf den Märkten verkauft. Kritisch zu sehen ist die ungleiche Verteilung der Landesflächen, so besitzen 2% der Bäuer:innen 90% des Landes und die meisten davon sind Ausländer:innen.


Die Haupterzeugnisse der bolivianischen Landwirtschaft sind Soja, Quinoa, Zuckerrohr, Kakao, Kartoffeln, Coca und Mais. Der Anbau von Kakao, Paranüssen und Quinoa wird staatlich gefördert, damit diese verstärkt exportiert werden. Des Weiteren wird der Weizenanbau gefördert, sodass dessen Importbedarf gesenkt werden kann.

Bolivien ist ein Land mit vielen Bodenschätzen, so sind weitere wichtige Wirtschaftszweige die Energiewirtschaft und der Bergbau. Es wurde/wird vor allem Eisenerz, Zink und Zinn abgebaut, aber auch Silber, Gold und Wolfram, letzteres ist ein Schwermetall, welches u.a. bei Werkzeugen und in der Technologiebranche im Bereich LED Verwendung findet. Die Rohstoffe werden seit der Kolonialzeit abgebaut, jedoch werden sie in andere Länder exportiert, sodass Bolivien zwar reich an Rohstoffen ist, aber vor allem andere Länder von diesem Reichtum profitiert haben. Auch wenn die Rohstoffpreise zur heutigen Zeit sehr gesunken sind, stellen die Bodenschätze dennoch ein wichtiges Exportgut dar, so ist Bolivien zweitgrößter Exporteur von Wolfram weltweit.


Im Südwesten Boliviens befindet sich der Salzsee Salar de Uyuni. Dieser beherbergt riesige abbaubare Reserven an Lithium, es ist mit geschätzten 46,5 Mio. Tonne das weltweit größte Vorkommen. Das Leichtmetall, welches auch als „weißes Gold“ bezeichnet wird, gilt als Rohstoff der Zukunft, denn es wird für Batterien und Akkus benötigt, wie bei Elektro-Autos, aber auch für Antriebe und zur Speicherung von Solarenergie. Der Weltmarktpreis ist zuletzt explodiert auf bis zu 13.000 US-Dollar pro Tonne.
Die Energierohstoffe haben eine herausragende Rolle in der Wirtschaft, denn Bolivien verfügt über Südamerikas zweitgrößte Erdgasreserven. Jedoch werden bei Beibehaltung der aktuellen Nutzung bereits 2025 die Vorkommen erschöpft sein. Insgesamt werden 80% in die Nachbarländer exportiert, dennoch muss Bolivien aufgrund stark steigenden Eigenbedarfes zunehmend raffinierte Ölprodukte importieren.


Insgesamt verzeichnet Bolivien in den letzten Jahren ein starkes wirtschaftliches Wachstum. Besonders mit Amtsantritt von Evo Morales im Jahr 2005 veränderte sich die Wirtschaft, denn es folgte die Verstaatlichung wichtiger Bereiche der Wirtschaft, wie des größten Energiekonzerns des Landes YPFB (somit staatliche Kontrolle über die Erdgas- und Erdölreserven), des Telekommunikationskonzerns ENTEL und der Gründung der Fluggesellschaf BoA (Boliviana de Aviación), ebenfalls Teile der Stromversorgung und der Wasserversorgung wurden verstaatlicht. Ein weiterer Grund für den wirtschaftlichen Wachstum in diesem Zeitraum ist eine Folge der Steigerung der internationalen Erdgas- und Erdölpreise. Jedoch ist Boliviens Wirtschaft stark abhängig von den Weltmarktpreisen der Rohstoffe, sodass ein Verfall dieser zu einem Einbruch der Einnahmen führt, wie sich beispielsweise 2014 zeigte. Ein weitere Problematik stellt der Anteil der Erwerbstätigen im informellen Sektor dar, der mit 80% besonders hoch ist, d.h. das lediglich 20% der Erwerbstätigen im formellen Sektor Steuern zahlen und kranken- und rentenversichert sind.

Quellen